Ein Wink mit dem Zaunpfahl – ein Kommentar zur AXA-Vollversicherungsdebatte

Alle AXA-Vollversicherungskunden erhielten dieser Tage Post. „Die Zeit ist reif, um die berufliche Vorsorge zukunftsweisend zu verändern“, prangt als Titel auf dem Schreiben der AXA. Darin erklärt der Versicherungskonzern die Gründe für den Ausstieg aus dem Markt für Vollversicherungen und preist die Vorzüge des teilautonomen Modells an: „Chancen auf höhere Altersleistungen, bessere Konditionen für alle“.

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Eine zukunftsweisende Veränderung des BVG beinhaltete auch die abgelehnte Altersvorsorge 2020, die mit tieferen Umwandlungssätzen in der beruflichen Vorsorge für dringend nötige Entspannung gesorgt hätte. Mit ihrem Entscheid, das Anlagerisiko für Vorsorgegelder nicht mehr zu übernehmen, setzt die AXA nun ein deutliches Zeichen, dass die politischen Fesseln im BVG zu eng sind. Der gesetzliche Umwandlungssatz von 6,8% ist zu hoch und selbst der gesetzliche Mindestzinssatz von 1% auf dem angesparten Alterskapital ist für die Pensionskassen aufgrund der überhöhten Leistungsversprechen sowie der zunehmenden Lebenserwartung ambitioniert. Die Folge: Die Vorsorgeeinrichtungen versuchen schrittweise das Risiko auf ihre Kunden zu überwälzen, konkret: die Schweizer Unternehmen und ihre Angestellten.

Eine Kettenreaktion, bei der die restlichen Anbieter von Vollversicherungen (Swiss Life, Allianz Suisse, Helvetia, Bâloise und Pax) nachziehen, blieb zwar aus – sie stellten sich gar hinter das Vollversicherungsmodell – dennoch ist zu vermuten, dass in den kommenden Jahren weitere Ausstiege aus dem Vollversicherungsmodell folgen werden. Schliesslich ist die AXA nicht die erste Gesellschaft, welche diesen Markt verlässt. Bereits vor rund zehn Jahren stellte die Zurich Versicherung ihre Vollversicherungen im obligatorischen Teil der beruflichen Vorsorge ein und bietet heute mit den Vita Sammelstiftungen ausschliesslich teilautonome Lösungen in der Basisvorsorge an (in der überobligatorischen Kadervorsorge bietet die Sammelstiftung Vita Plus weiterhin die Vollversicherung an).

Merkblatt: Vollversicherung und Teilautonomie im Vergleich (PDF)

KMU vor wichtigem Entscheid

Auch im teilautonomen Modell gelten die gesetzlichen Mindestvorschriften, jedoch räumt der Gesetzgeber in diesem Modell den Sammelstiftungen die Möglichkeit einer temporären Unterdeckung ein. Dies im Gegensatz zur Vollversicherung, bei der durch das sogenannte gebundene Vermögen der Lebensversicherungsgesellschaft die Leistungen zu jederzeit zu 100% gedeckt sein müssen. Diese und weitere restriktive regulatorische Vorgaben erschweren es den Anbietern von Vollversicherungen attraktivere Konditionen, bzw. Verzinsungen der Vorsorgegelder anzubieten. In den teilautonomen Vorsorgelösungen sind die gesetzlichen Vorgaben weniger einschränkend und die Unternehmen tragen das Anlagerisiko selbst, wodurch risikoreichere Anlagestrategien bei günstigeren Prämien dank tieferem Risikobeitrag möglich sind. Durch die Koppelung der Altersguthaben an die Kapitalmärkte wird zugleich der Subventionierung von laufenden Renten durch aktive Versicherte entgegengewirkt. Ja, das teilautonome Modell hat zweifelsfrei seine Vorteile. Insbesondere gilt dies für Unternehmen, die sich der entsprechenden Risiken und Chancen bewusst sind und die dieses Risiko tragen können. Vor allem KMU-Betriebe bevorzugen derzeit (noch) die Vollversicherung, um das Betriebsrisiko klein zu halten und nicht durch Sanierungsmassnahmen nach Krisen an den Anlagemärkten in finanzielle Schieflage zu geraten.

Trotzdem lohnt es sich für KMU, die ihre Pensionskasse bei der AXA haben, den Wechsel in das teilautonome Modell zu prüfen, ebenso wie Alternativen bei anderen Marktanbietern. Für diese KMU gilt tatsächlich: Die Zeit ist reif, um die berufliche Vorsorge zukunftsweisend zu verändern. Die Vorsorgeexperten bei Intermakler unterstützen ihre Kunden dabei und prüfen individuell die bedarfsgerechteste und zukunftsweisendste Lösung.

Fabian Loosli

Über Fabian Loosli

Der Antreiber. Fabian arbeitet mit viel Leidenschaft und überträgt diese Energie auf das Team. Er ist ein ausgesprochener Dienstleister und hat grosse Freude am persönlichen Kontakt mit Kunden. Einen Ausgleich findet er durch sportliche Betätigung und das gemütliche Beisammensein mit Freunden und Familie.

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