IV: Neuregelung bei Teilzeitarbeit

Per 1. Januar 2018 ist eine Verordnungsänderung bei der Invalidenversicherung in Kraft getreten, welche für die Festlegung des Invaliditätsgrades von Teilerwerbstätigen ein neues Berechnungsmodell einführt. Die neue Methode verbessert die Situation für Teilzeitangestellte, darunter zahlreiche Frauen, die sich neben der Arbeit um Haushalt und Kinder kümmern.

Bisher wurden die gesundheitlichen Einschränkungen in Beruf und Haushalt separat ermittelt (sogenannt „gemischte Methode“). Die Teilzeitarbeit fiel dabei überproportional ins Gewicht, wodurch der Invaliditätsgrad vergleichsweise tiefer ausfiel als mit der allgemeinen Methode für vollerwerbstätige Personen.

Beispiel:

Frau Schürpf ist in einem 50%-Pensum angestellt. Mehr darf sie nach ärztlichem Attest nicht arbeiten. Bei den Aufgaben im Haushalt wurde aus gesundheitlichen Gründen eine Einschränkung von 30% ermittelt. Ihr IV-Grad belief sich nach der alten Methode auf 15% (0% Arbeit, 30% Haushalt, je hälftig), wodurch kein Rentenanspruch entstand (ab 40%).

Mit der neuen Berechnungsweise werden die gesundheitlichen Einschränkungen in der Erwerbstätigkeit (Beruf) und im Aufgabenbereich (Haushalt) gleich stark gewichtet. Dazu wird von einer hypothetischen Vollerwerbstätigkeit ausgegangen, woraus ein höherer IV-Grad resultiert. Entsprechend können die Renten von Teilerwerbstätigen zukünftig steigen respektive überhaupt erst ein Rentenanspruch entstehen.

Beispiel:

Der Invaliditätsgrad von Frau Schürpf im Beruf beträgt neu 50%, im Haushalt weiterhin 30%. Ihr IV-Grad steigt dadurch auf 40%, wodurch ein Rentenanspruch entsteht.

Die Gesetzesänderung berücksichtigt Haus- und Familienarbeit besser, was sich positiv auf die Vereinbarkeit von Familie und Beruf auswirkt. Bei bereits laufenden ¼-, ½- und ¾-Renten nimmt die zuständige IV-Stelle von Amtes wegen eine Neuberechnung vor. Der Bundesrat rechnet dabei mit Mehrkosten für die IV von etwa 35 Millionen Franken pro Jahr. Personen, die aufgrund der alten Berechnungsweise einen IV-Grad von unter 40 Prozent erreichten und damit nicht rentenberechtigt waren, müssen durch eine Neuanmeldung eine erneute Prüfung ihres Rentenanspruchs veranlassen.

Claudia Trachsel

Über Claudia Trachsel

Die Ästhetin. Claudia arbeitet exakt und mit viel Elan. Nach ihrer beruflichen Auszeit strotzt die zweifache Mutter vor Tatendrang. Mit ihrer Familie lebte sie drei Jahre lang in Wien und nennt sich seither „Wein- und Wien-Geniesserin“. In der Freizeit trifft man sie oft beim Joggen und ihre Begeisterung gehört dem nordischen Design.

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