Erdbeben in Biel: Erläuterungen der Versicherungssituation

Aufgrund des gestrigen Erdbebens in Biel erläutert unser Risikoexperte Marcello Biondo die Versicherungssituation bei Erdbeben.

Das Wichtigste auf einen Blick:

  • Kantonale Pools versichern nur ungenügend, z.B. im Kanton Zürich nur die Gebäude oder sind für die Kantone ohne Kantonale Gebäudeversicherung und im Kanton Bern aufgelöst.
  • Aufgrund der Verflechtungen mit den übrigen schweizweiten Sachversicherungen macht die Versicherung beim selben Versicherer Sinn.
  • Es bleibt abzuwarten, wie rasch und in welcher Form der Bundesrat die Umsetzung eines Versicherungsobligatorium für das Erdbebenrisiko umsetzt.

Erdbeben in einem Mass, dass diese Gebäude beschädigen, treten in der Schweiz durchschnittlich mehr als alle 500 Jahre auf. Die Region Biel liegt in stärker erdbebengefährdetem Gebiet, aber nicht ganz wie Basel, das Wallis oder das obere Rheintal.

Ein Erdbebenversicherungspool der Kantonalen Gebäudeversicherer besteht bereits. Allerdings ist der Massstab für ein gedecktes Ereignis hoch, die Summe ist limitiert und sie wird im Giesskannenprinzip auf die Geschädigten aufgeteilt.

Nur wenige Privatversicherer bieten eine Erdbebenversicherung für Firmen und Industriekunden an – mit einem eher hohen Selbstbehalt. Der Schweizerische Versicherungsverband und das Bundesamt für Privatversicherungen verhandeln seit längerem, bisher vergeblich, über die Einführung einer landesweit obligatorischen Erdbebenversicherung als weitere Naturgefahr.

Poollösungen Kantonale Gebäudeversicherungen (KGV)

Nachdem der Kanton Bern per Ende 2012 von der Poollösung der Kantonalen Gebäudeversicherer ausgetreten ist, sind nunmehr 17 Kantone noch im seit 1978 bestehenden Erdbebenpool. Pro Kalenderjahr stehen weiterhin maximal zwei Mal zwei Milliarden CHF für alle betroffenen Gebäudeeigentümer zur Verfügung. Der Selbstbehalt pro Gebäude beträgt 10% des Gebäudewerts, mind. CHF 50‘000. Voraussetzung für die Vergütung ist ein Erdbeben der Stärke VII EMS-Skala.

Für den Kanton Zürich besteht eine eigene Lösung mit einer Deckungssumme von einer Milliarde CHF. Das schwerste je registrierte Erdbeben in der Schweiz (Basel 1356) bildet die Grundlage für die Bestimmung des zu erwartenden Schadenausmasses. Bei einem solchen Beben müssten heute im Kanton Zürich Gebäudeschäden von einer Milliarde Franken vergütet werden. Bei einem zweiten Beben im gleichen Kalenderjahr steht diese Summe nochmals zur Verfügung.

Der Selbstbehalt beträgt 10 Prozent der Versicherungssumme, mindestens CHF 50 000. Übersteigen Gebäudeschäden diesen Selbstbehalt, hat ein Beben in der Regel den Stärkegrad VII der seismischen Intensitätsskala erreicht und die Erdbebendeckung kommt zum Tragen.

Marktsituation Erdbebenversicherung

In den sieben Kantonen ohne KGV boten die Privatversicherer eine Lösung mit analogen Leistungen. Seit den Verhandlungen im Parlament für eine flächendeckende obligatorische Erdbebenversicherung ist dieser Pool aufgelöst.

Im März 2012 hat nach dem Ständerat auch der Nationalrat die Motion Fournier für eine Einführung einer obligatorischen Erdbebenversicherung angenommen. Der Bundesrat ist unter Federführung des Eidgenössischen Finanzdepartements beauftragt, eine Lösung zu erarbeiten.

Die Gebäudeversicherung Bern hat die GVB-Privatversicherungen AG gegründet, welche im Kanton Bern ihrerseits das Produkt GVB Terra anbietet. GVB Terra deckt finanzielle Schäden und Kosten für Wiederherstellungsarbeiten an Gebäuden, die durch Erdbeben entstanden sind zum Neuwert bis zum Umfang eines 500-jährigen Ereignisses im Kanton Bern. Darüber hinaus sind Folgekosen bis max. CHF 100 000 mitversichert für Mehrkosten und Mietertragsausfall.

Für Häuser mit einem Wert bis CHF10 Mio. beträgt der Selbstbehalt CHF 10’000, ab CHF 10 Mio. beträgt er CHF 50’000. Die Prämiensätze betragen je nach Versicherungssumme ca. 0.01-0.02%.

Erdbebenrisiko

Die Rückversicherer schätzen, dass eine Wiederholung des Erdbebens von Basel in 1356 heute über CHF 50 Milliarden an Gebäude- und Sachschäden verursachen würde. Eine Wiederholung von Visp (Wallis) in 1855 hätte über CHF 2 Milliarden Sach- und Gebäudeschäden zur Folge.

Die Vergangenheit hat gezeigt, dass der Kanton Bern zu den Regionen der Schweiz gehört, die mittelmässig durch Erdbeben gefährdet sind. So hat beispielsweise das Beben im Jahre 1881 in Bern mit einem Magnitudewert über 5 zu grosser Zerstörung mit Schäden in der Höhe von mehreren hundert Millionen Franken geführt. Ab 2003 gelten verbesserte SIA-Normen für erdbebensicheres Bauen.

Marcello Biondo

Über Marcello Biondo

Der Analytiker. Marcello denkt, bevor er handelt. Seine Aussagen haben Hand und Fuss, was für uns Gold wert ist. Er ist ein bodenständiger Typ, dem seine Familie Halt gibt. Als Sportfanatiker trimmt er seinen Körper beinahe täglich, ist aber auch ab und zu als Zuschauer und seit neustem als Trainer an einem Spielfeldrand anzutreffen.

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